Das Alte Gärtnerhaus 

Seminarhaus und Bildungszentrum der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg

 

Das Gärtnerhaus ist das letzte Gebäude der ehemaligen kaiserlichen Baumschule auf dem Gelände des Psychatrischen Klinikums Lüneburg (PKL) und datiert aus dem Jahr 1832. Errichtet wurde es aus 4.000 Klostersteinen des Lüneburger St. Nicolai-Turms. Das Baudenkmal war nach der Errichtung des Klinikums zunächst Teil der Gärtnerei und wurde später als Wohnhaus genutzt. Nach einem gut 30’ig jährigen Dornröschenschlaf ohne eine Nutzung, gelang es vor allem durch die fachkundige Beratung und Begleitung durch den Architekten Henryk Reimers (Architekten Henscke Schulze Reimers Partnerschaft mbB) das kleine unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus zu erhalten. Nach eineinhalb Jahren Sanierungs- und Bauzeit eröffnete im August 2020 das Seminarhaus und Bildungszentrum der „Euthansie Gedenkstätte Lüneburg“. Dies war das dritte Bauvorhaben im Bereich des Umbaus und Sanierung, welches ich für die Architekten fotografieren durfte. Weitere Fotos findet ihr auch auf der Seite der HSR Architekten.

Gärtnerhaus, Außenaufnahme 3 Fenster
Gärtnerhaus, Seminarraum mit Stühlen bestuhlt

Auf rund 200 m² bietet das Gärtnerhaus in zwei Seminarräumen und einem pädagogischen Archiv Platz für Workshops, ein- bis mehr- tägige Seminare, Fortbildungen, Tagungen und Begegnungsprojekte.

Interessierte haben zudem die Möglichkeit, in der Sammlung der Gedenkstätte zu recherchieren.

Gärtnerhaus, Treppe nach oben
Gärtnerhaus, Seminarraum Panorama Fenster

Die „Euthanasie“- Gedenkstätte wurde am 25. November 2004 als „Bildungs- und Gedenkstätte ‚Opfer der NS-Psychiatrie‘ Lüneburg“ eröffnet. Seit 1. September 2015 trägt sie den neuen Namen „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg. Weitere Informationen findet Ihr auf der Internetseite der Psychiatrischen Klinik Lüneburg – Gedenkstätte

Gärtnerhaus,Blick durch die Türen in den Arbeitsraum
Gärtnerhaus, Arbeitsraum, Computerarbeitsplätze
Gärtnerhaus, Schließfächer, WC Tür, Computerarbeitsplätze
Gärtnerhaus, Arbeitsraum, Computerarbeitsplätze


In der Heil-und Pflegeanstalt Lüneburg wurden in der NS-Zeit 300 bis 350 Kinder und mehr als 470 Erwachsene getötet oder in den Tod geschickt.

Das Niedersächsische Landeskrankenhaus war in der NS- Zeit Standort einer sogenannten Kinderfachabteilung (KFA).  Ziel und Zweck der über dreißig KFAs in Deutschland war ausschließlich die Selektion und Ermordung behinderter Kinder und Jugendlicher. Dahinter steckte die Vorstellung von einer „leidensfreien” Gesellschaft im Sinne der NS-Rassenideologie.

(Dr. Raimond Reiter)

Gärtnerhaus Schließfächer

Die Geschichte der Euthanasie ist als Begriff in Deutschland stark durch die Zeit des Nationalsozialismus geprägt, deren Morde unter dem Vorwand der „Rassenhygiene“ ebenfalls als Euthanasie  bezeichnet werden. Klarzustellen ist hierbei, dass es sich bei einer in diesem Zusammenhang gebrauchten Verwendung des Wortes „Euthanasie“ nicht um Euthanasie im Sinne einer vom Patienten gewünschten Sterbehilfe bei einer unheilbaren Krankheit handelte, sondern um einen Euphemismus für die geplante und systematische Tötung insbesondere von behinderten Menschen.

Die Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus können grob in folgende Phasen differenziert werden:

  1. Kinder-„Euthanasie“ von 1939 bis 1945
  2. Erwachsenen-„Euthanasie“ von 1939 bis 1945
    • Aktion T4“, die zentralisierten Gasmorde von Januar 1940 bis August 1941
    • Dezentralisiert durchgeführte aber teilweise zentral gesteuerte Medikamenten-„Euthanasie“ oder Tötung durch Unterernährung von September 1941 bis 1945
  3. Invaliden- oder Häftlings-„Euthanasie“, bekannt als „Aktion 14f13“ von April 1941 bis Dezember 1944
    • Erste Phase von April 1941 bis April 1944
    • Zweite Phase von April 1944 bis Dezember 1944

Quelle: Wikipedia

Gärtnerhaus, Lichtschalter, offene Tür
Gärtnerhaus, Alte Zeichnung, Indianer
Gärtnerhaus, Schließfacher und Balken

Die Staatsanwaltschaften beschäftigten sich ab 1947 umfassend und eingehend mit den Verhältnissen in Lüneburg und nahmen Ermittlungen auf. Die Kindestötungen in den KFAs wurden zwar festgehalten aber es gab genauso wie bei der „Aktion T4“ keine Strafverfolgung der Lüneburger Verantwortlichen.

 

Um so wichtiger ist die heutige Neugestaltung der „Euthanasie“-Gedenkstätte. Mit ihr wurde nicht nur ein Ort zur Aufklärung und Vermittlung über die Geschichte der NS-Verbrechen in der Psychiatrie geschaffen, der verdeutlicht, welche Ausmaße eine Diktatur hervorgebracht hat. Hier wird ebenso eine angemessene Begegnung von Vorurteilen gegenüber der Psychiatrie und ein Verständnis für die Probleme sozial diskriminierter und isolierter Personen gefördert.

 

Gerade auch mit Blick auf die politische Tagesaktualität geht es darum, die Achtung der Menschenwürde, Toleranz, eine demokratische Erziehung und Einstellung der Menschen zu stärken, damit sich die Geschichte niemals wiederholt.

Dieser Raum ermöglicht das angemessene Gedenken an die damaligen Opfer und die Erforschung geschichtlicher Details.

 

Nähere Informationen/Kontakt:
Bildungszentrum der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg
Tel. 04131 60 20970
info@gedenkstaette-lueneburg.de

Öffnungszeit nach Vereinbarung

 

 

 

Gärtnerhaus, Außenaufnahme Dämmerung
HALT!!!

Bevor Ihr auf den Button zurück geht, schaut Euch doch noch meine Architekturfotos an.

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